VISION dwerft 2021

 

 

Das F&E-Projekt »dwerft – Linked Production Data Cloud« ist mit der Abschlusskonferenz im Mai 2017 erfolgreich beendet worden. Das anvisierte Ziel der prototypischen Vernetzung von Produktions-Metadaten über die Technologieplattform Linked Production Data Cloud (LPDC) konnte erreicht werden. Über den gesamten Herstellungsprozess einer Serien-Produktion („Das Apartment“, Staffel 2, 5 Folgen á 6 Minuten) wurden Metadaten aus der Produktion über Produktions-Tools erfasst, in der Ontologie verarbeitet und im Triple Store gespeichert.
Der Schwerpunkt der Vernetzung über die Technologieplattform LPDC lag ausschließlich im Bereich der Produktion unter Einbeziehung von exemplarischem Archivmaterial. Es wurde die prinzipielle Durchführbarkeit der Vernetzung von Metadaten aus dem Herstellungsprozess belegt und demonstriert. Dieser beginnt bei der Stoffentwicklung bzw. beim Drehbuchschreiben und mündet in der Distribution bzw. Auswertung der Nutzungsdaten.
Abbildung 1:  Wertschöpfungskette Linked Production Data Cloud (LPDC)
LPDC Kreis-Grafik
Vernetzt werden konnten die grundlegenden Produktionsgewerke Drehbuch, Preproduktion, Akquise, Script Continuity, Archiv (exemplarisch), Postproduktion und Mastering. Insbesondere die Postproduktion, in der massenhaft Metadaten in unterschiedlichsten Versionen anfallen, wurde dabei nur beispielhaft eingebunden, um das Wirkungsprinzip zu demonstrieren. Das Vernetzungsverfahren über die LPDC führte neben dem Erhalt der Metadaten insbesondere zu einer Effizienzsteigerung und mehr Sicherheit innerhalb des Produktionsprozesses.
Darüber hinaus wurden im Rahmen des F&E-Projektes »dwerft – Linked Production Data Cloud« weitere Teiltechnologien entwickelt, wie z. B. der Befundungstisch für Filmrollen, die in den kommenden Jahren zur Marktreife entwickelt werden sollen.
Zum Ende des Forschungsprojekts wurde deutlich, dass die LPDC den Ansprüchen der schnelllebigen Medienindustrie nicht genügen wird. Zielführender wäre es, die Technologieplattform auf den gesamten Wertschöpfungskreis auszuweiten und die Produktions-Metadaten für die Multi-Plattform-Distribution aufzubereiten. Aus diesem Grunde haben fünf der bisherigen dwerft Projektpartner zusammen mit einem weiteren Babelsberger Medienunternehmen, der Rotor Film Frühmorgen und Lehmann OHG, eine Vision dwerft 2021 entwickelt. Die Innovatoren der Vision dwerft 2021 sind:

 

Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

Institut für Rundfunktechnik GmbH

Rotor Film Logo

 

Die Bündnispartner pflegen bereits intensive Partnerschaften mit Unternehmen der Medienwirtschaft, Forschungseinrichtungen und Initiativen des Standorts und auch darüber hinaus. Diese engen Kontakte werden in das Bündnis ebenso einfließen, um die Praxisrelevanz der Forschungs- und Entwicklungsarbeit laufend zu überprüfen und Synergien zu nutzen, wie auch neue Partnerschaften und Kooperationen zu MediaTech- und Softwareherstellern schon während der Projektphase eingegangen werden sollen. Wir laden daher jetzt schon alle Interessenten ein mit uns ins Gespräch zu kommen, sodass von Beginn an die Vision der LMDC, und auch des Forschungsbündnisses, als ein offenes System mit möglichst vielen Schnittstellen entstehen kann.

LMDC kurz erklärt

Die technologische Entwicklung in der Medienbranche hat sich insbesondere seit 2016 massiv in die Distribution verlagert. Insbesondere der Trend der Online-Distribution (maxdome, Amazon Prime, Netflix, Mediatheken von TV-Anstalten) hat dazu geführt, dass Metadaten zu einem Film (technisch, administrativ, beschreibend) in der Distribution zwingend gebraucht werden, um Filme auf diesen Plattformen veröffentlichen, vermarkten und schließlich auch verwerten zu können. Somit liegt der eigentliche und auch monetäre Mehrwert einer Vernetzung von Produktions-Metadaten darin, die in der Produktion gesammelten Metadaten für die Multi-Plattform-Distribution der audiovisuellen Programminhalte zu aggregieren, aus deren Perspektive zu ordnen und für die Auslieferung und Verwertung der Medieninhalte zu nutzen.
In Abb. 2 ist die bereits eingeführte exemplarische Wertschöpfungskette einer Bewegtbildproduktion nun geschlossen worden. Im Vergleich zum IST-Zustand der LPDC (Abb. 1), wurden durch eine komplett überarbeitete und erweiterte Digital Media Ontology (DMO), einem zeitgemäßen und mehrdimensionalem TripleStore 2.0, sowie neuen Abstraktionsschichten, Anbindungen an externe Ontologien (wie z. B. IMDB, BBC u.v.m.) und mit bedienerfreundlichen Tools (Data Tracker und Metadata Mastering Tool (MMT) eine zukunftsfähige Kerntechnologie erdacht, die LMDC. In Abb. 2 sind diese Weiterentwicklungen dargestellt.
Abbildung 2: Wertschöpfungskette Linked Media Data Cloud (LMDC)
Die Lücken in der Wertschöpfungskette sollen mit der LMDC geschlossen werden, das System soll offen für die Anbindung sämtlicher Tools und Applikationen der Bewegtbildproduktion und auch für neue Kategorien von Metadaten sein, die jederzeit über flexible Abstraktionsschichten und individuelle Konverter an die weiterentwickelte Datenbank (TripleStore 2.0) angebunden werden können.

F&E-Projekt »dwerft – linked metadata for media«

Um die LMDC erforschen und entwickeln zu können, haben sich die oben vorgestellten Unternehmen und Institutionen dazu entschlossen sich mit ihrer Vision als neues Bündnis »dwerft – linked metadata for media« für das Förderprogramm Innovative regionale Wachstumskerne PLUS des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zu bewerben. Aus diesem Grunde wurden Mitte Dezember 2017 die Bewerbungsunterlagen eingereicht.
Das F&E-Projekt ist bewusst offener gestaltet: Die Entwicklung der Kerntechnologie LMDC als Open-Source-Technologieplattform für eine stetig wachsende Nutzer-Community, die Anbindung von externen Tools und deren Anbieter an diese Technologieplattform und die starke externe Kommunikation der Tätigkeiten in die Branche schon während Projektlaufzeit sollen dazu dienen, einen echten Wachstumskern PLUS zu schaffen und das oft in der Branche übliche „siloartige“ Denken in Technologie und Geschäft aufzubrechen.